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Gelungene und liebevolle Psychoanalyse
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Die Inder. Porträt einer Gesellschaft (Gebundene Ausgabe) "Die Inder - Porträt einer Gesellschaft" (2006) habe ich in weiten Teilen als ausgesprochen anregend empfunden. - Schön geschriebene Wissenschaft des indischen Psychoanalytikers Sudhir Kakar und seiner Frau, der Religionswissenschaftlerin Katharina Kakar. Manchmal kann ein Fremdwörterlexikon hilfreich sein, aber die Autoren haben sich bemüht, auf Formulierungen zu verzichten, die nur Fachleuten geläufig sind. Die gelungene deutsche Übersetzung ist gut lesbar - und entgegen verbreiteter Indienreise-Esoterik hat man hier das Gefühl, gut informiert zu werden.
Eine große Themenpalette wird abgehandelt und reicht vom Umgang zwischen den Geschlechtern, prägenden Volksweisheiten, der Bedeutung gesellschaftlicher Hierarchien und der Großfamilien, über eine Annäherung an Begriffe wie moksha, dharma und karma bis hin zu Konflikten durch das Miteinander der verschiedenen Religionen.
Spannend für mich die Ausführungen über den "flexiblen Hindu", den Umgang mit der Wahrheit, relatives "richtiges" oder "falsches" Handeln, die besondere Mutter-Sohn-Beziehung und den stark prägenden Einfluss der ayurvedischen Medizin. - Aber die Autoren haben sich ebenfalls Mühe beim Thema "Sexualität" gegeben, beschreiben die Akzeptanz arrangierter Ehen genauso wie die gleichmütige Bewertung homoerotischer Handlungen bei gleichzeitiger Ablehnung offizieller Homosexualität.
Jedenfalls habe ich erhellende Zusammenhänge entdeckt und immer wieder fundierte Vergleiche zu westlichen Situationen gefunden. Nicht zuletzt wird vom "Traum unbehinderter Liebe" berichtet - und (Zitat): "Die ästhetische Kraft der Musik und der Poesie - eine gut erzählte Geschichte oder ein gut gespieltes Schauspiel - sind im Glaubenssystem der indischen Kultur der Realität oft näher als das eigentliche Leben" (S.177). Aspekte, die unter anderem den verbreiteten Erfolg der allseits geliebten Hindi-Filme erklären können.
Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr Ausführungen über indische Sitten und Gebräuche erhofft und einen größeren Umfang des Buches phantasiert. Aber mit den gelieferten 206 Seiten bin ich nach dem Lesen sehr zufrieden. - Die Schlussfolgerungen werden nur in einem kurzen Absatz abgehandelt und von dem schönen Umschlagfoto abgesehen, gibt es keine Abbildungen. - Insgesamt dennoch und trotz vieler Verallgemeinerungen - eine gute psychologische Analyse, die für ein besseres Verstehen "der Inder" und zum tieferen Eintauchen in Hindi-Filme genauso geeignet ist, wie für die Reisevorbereitung.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. März 2010 | | |
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